


| | 28.2.2010 um 18:53Wer will denn schon um neun Uhr Vormittags ins Weindepot?
von H-P.A. (pap)
 Das italienische Weindepot - seit 30 Jahren eine "Institution" | | |
Anfang der siebziger Jahre gab es in Gualdalajara, in Mexico, ein Restaurant, das einem Österreicher gehörte und in dem man die beste 'Mole poblano', Huhn mit scharf gewürzter Schokoladensoße bekam. Das Restaurant war nur einige Stunden am Tag geöffnet, und an der Tür hing der nicht zu übersehende Hinweis: Montags und Donnerstags wegen gründlicher Reinigung geschlossen. Der Mann lebte in seinem eigenem Rhytmus, die moderne Hektik hatte hier noch keinen Einzug gehalten.
Dieses Restaurant kam mir wieder in den Sinn, als ich zum ersten Mal die öffnungszeiten des Italienischen Weindepots in Garmisch-Partenkirchen las: Montag bis Donnerstag vormittags geschlossen! da schau her, der kann sich's leisten! Und im Frühjahr auch noch Urlaub! ein Weindepot müsste man haben!
Aus dem anfänglichem Frust ist inzwischen Zustimmung geworden. Hinter dem Frühjahrsurlaub verbirgt sich ein harter Geschäftsaufenthalt in Italien, anstrengende Tage voller Arbeit, an denen Winzer und Weinkeller aufgesucht werden, alte Kontakte aufgefrischt und neue Beziehungen geknüpft werden. Nur so ist es möglich, daß im Depot kein Wein angeboten wird, der nicht eigenhändig ausgesucht und persönlich vor Ort probiert wurde. Und nur so ist die hohe Qualität, sind vor allem die jährlichen überraschungen im Angebot möglich, und ohne diese Kenntnisse vor Ort wäre es auch nicht möglich, den Kunden eingehend zu beraten, wenn erwünscht, über interessante Details des Weines zu informieren. Der fränkische Tonfall ist dabei schon noch zu hören, aber am liebsten fällt der Gerardo - so heißt der Typ - ins Italienische, nennt Namen und zitiert Begriffe, denn italienisch muß man können, wenn man über Qualität und Preise verhandeln will.
Als Folge davon türmen sich im Weindepot Kartons aus ganz Italien. Mit den Namen, die man im Urlaub aufgelesen hat, ist man schnell am Ende: Gavi, Orvieto und Frascati - das genügt hier nicht. Und auch die saarländische Toskana-Riege wäre mit ihrem Latein, so sie es beherrscht, schnell am Ende, denn von manchen Weinen hat hierzulande kaum jemand etwas gehört, und doch verbergen sich absolute Spitzenklassen dahinter.
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